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Das Verdauungsmärchen

Diese Story habe ich 2002 abgespeichert, ich weis leider nicht mehr von wem ich sie bekommen habe. Nichtsdestotrotz ist sie immer noch genauso aktuell wie vor zehn Jahren, und sollte uns alle etwas zum nachdenken anregen. Und darum möchte ich sie euch auch nicht länger vorenthalten…  😉

Das Verdauungsmärchen

(Verfasser ist mir leider unbekannt)

Wachet auf, ihr inneren Organe, das Frühstück kommt!

Das Auge nimmt es zuerst wahr. Auf dem Frühstücksholzbrettchen liegen 2
Scheiben Weizentoastbrot, dessen helles Auszugsmehl von der Hitze des Toasters
gebräunt wurde.

Die Hand ergreift das Messer und bestreicht die noch fast heißen Scheiben
mit der minderwertigen Halbfettmargarine, die zu fast 50 % aus gehärtetem
Fett besteht. Während sich das Fett den Weg durch die noch immer warmen
Brotporen sucht, um dann kleine Fettflecke auf dem Holzbrett zu hinterlassen,
schwingt sich bereits die stark zucker- und schwach fruchthaltige Marmelade
auf das glitschige, fette Toastbrot.

Nun führt die Hand das Brot zum Mund und die linke Ecke des Toastbrotes
verschwindet zwischen den 26 noch verbliebenen, teils überkronten und Wurzelbehandelten
Zähnen, um von ihnen so gut es noch geht, zerkleinert zu werden.

Das Auge erblickt die Uhr und Eile beim Kauen ist geboten, denn vor der
Arbeit müssen schließlich noch die Betten gemacht werden, die Wäsche muss
aufgehängt werden und … und … und….

Die fast unzerkauten Brocken, die keine Chance hatten, von der Speicheldrüse
mit den ersten wichtigen Enzymen und Alphaamylasen versetzt zu werden, stürzen
die Speiseröhre hinab und wecken mit einem Ruck den Magen. Entsetzt starrt
dieser auf die riesigen Stücke und beginnt sofort mit seiner unermüdlichen
Arbeit. Zunächst weckt er die Bauchspeicheldrüse. „He, aufwachen, du bekommst
jede Menge Arbeit, das Toastbrot ist wieder an den Speicheldrüsen vorbeigerauscht,
wie jeden Morgen. Komm, fang an!“

„Toastbrot“, sagt die Bauchspeicheldrüse und weckt die Leber auf. Müde reckt
sich die Leber. „Was muss ich denn nun schon wieder tun?“ „Die Konservierungsstoffe
vom Toastbrot musst du aufnehmen.“ „Nö“, sagt die Leber trotzig, „ich hab‘
noch genug von der ½ Flasche Wein und der Tüte Chips von gestern Abend,
was meinst du, wie viel Chemie in den Chips war, das musste ich alles verarbeiten.
Na ja, und der Wein hat mich fertig gemacht. Und jetzt schon wieder Toastbrot.“

„Maul nicht rum, wir haben bei dieser ungesunden Ernährung ja alle viel
zu tun und wenn wir zusammenhalten, dann schaffen wir es zumindest so lange,
bis die Galle mit Steinen schmeißt.“

Und schon fängt die Bauchspeicheldrüse an, die erforderlichen Verdauungssäfte
zu produzieren, schiebt die Schadstoffe aus der Nahrung der Leber zu und
beide arbeiten zusammen mit dem Magen Hand in Hand.

Dieses Rumpeln und Poltern kriegt der Dünndarm mit. Er wartet und wartet,
schon seit 4 Uhr in der Früh ist er bereit, den Verdauungsvorgang einzuleiten.
Vorsichtig streckt er seinen Kopf zum Zwölffingerdarm und erkundigt sich,
ob er denn auch noch mal etwas zu tun bekäme. Alle schauen sich ratlos an.

„Nö“, sagt die kesse Galle, die eigentlich darauf wartet, mit Ihrem „Saft“
die großen Fettklümpchen zu zerkleinern, damit diese dann im Dünndarm von
evtl. vorhandenen Ballaststoffen abtransportiert werden.

„Für dich gibt es wieder mal nichts zu tun, denn von einer Scheibe Toastbrot
bleibt nur ein Fingerhut voll für den Darm übrig. Aber frag doch mal den
Magenpförtner, vielleicht sieht er noch etwas Vernünftiges ankommen.“ Wie
unangenehm, der Blick nach oben beschert dem Magenpförtner eine Ladung heißen
übersäuerten Kaffe im Gesicht, womit er sich dann anschließend mit einem
kräftigen Sodbrennen rächt.

Indes ertönt die Alarmsirene aus dem Dünndarm. Da hat es doch wieder einmal
der weiße Zucker aus der Marmelade geschafft, die wenigen Vitamine, die
in dem Frühstück waren, zu fressen. Beinah hätten die rettenden Arme des
Stoffwechsels die wertvollen Vitamine, die das Immunsystem so dringend benötigt,
zu fassen bekommen, aber der gemeine weiße Zucker war schneller.

„Wart’s nur ab, lange bleibst du sowieso nicht am Leben“, rufen alle erbost
dem weißen Zucker zu, „denn noch ehe es morgen wird, wirst auch du in eine
hauchdünne Fettschicht verwandelt und an die Innenwände der Blutgefässe
geklebt. Und dann kannst du sehen, wie du mit den Nikotinablagerungen und
dem Ansteigen des Blutdruckes fertig wirst. Ja das kommt davon, wenn man
Vitamine zerstört.“

„Ok“, sagt der Darm 2 Stunden später, „wenn dann nichts Verdaubares kommt,
dann sende ich eben Heißhungersignale nach oben. Hoffentlich kommen dann
nicht wieder diese ekeligen Gummibären, sondern Himbeeren.“ Wenig später
rufen die Überbleibsel der beiden Scheiben Toastbrot vom Frühstück: „Platz
da, wir kommen jetzt zum Dickdarm, wir wollen doch nicht immer in diesem
Körper bleiben!“

„Nun mal langsam“, sagt der seit Jahren träge Dickdarm, der so gern an ballaststoffreiche
Zeiten zurückdenkt. „Nur nicht drängeln und schön hinten anschließen, wir dürfen zuerst raus“, rufen die Toastbrotscheiben von gestern, vorgestern und vorvorgestern………

 

 

 

Denkt bitte mal darüber nach…
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Mit besten Grüßen

Helmut

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